Ernährungsempfehlungen bei Typ-2-Diabetes

Die diabetikergerechte Ernährung unterscheidet sich heutzutage kaum von der Ernährung des Gesunden, d. h. es bedarf keiner separaten Zubereitung des Essens und keiner speziellen Lebensmittel für Diabetiker.

Versuchen Sie, Ihr Normalgewicht zu erreichen und zu halten.
Für den Typ-2-Diabetiker ist es sehr wichtig, sein Normalgewicht zu erreichen. Eine Gewichtsabnahme führt zu einer verbesserten Insulinempfindlichkeit, da diese im Wesentlichen vom Fettgewebe abhängt. Vor allen Dingen der Fettansatz am Bauch wirkt sich sehr ungünstig auf die Insulinempfindlichkeit aus. Dagegen verbessert körperliche Aktivität die Insulinwirkung. In den meisten Fällen führt allein die Gewichtsabnahme beim übergewichtigen Diabetiker zur Normalisierung des Blut­zuckerspiegels.

Essen Sie mehrere kleinere Mahlzeiten am Tag.
Bei den meisten Typ-2-Diabetikern liegt zumindest noch eine geringe Insulin­produktion vor. Daher ist es ratsam, 5 bis 6 kleinere Mahlzeiten über den Tag zu verzehren. Das Restinsulin reicht dann häufig noch aus, um die anfallenden kleineren Kohlenhydratmengen zu verstoffwechseln.

Essen Sie regelmäßig kohlenhydrathaltige Lebensmittel.
Die Kohlenhydrate sind zwar die einzigen Nährstoffe, die einen direkten Einfluss auf den Blutzuckerspiegel haben. Trotzdem sind sie wichtige Energielieferanten für unseren Körper und sollten von Diabetikern regelmäßig (auf viele Mahlzeiten verteilt) verzehrt werden. Die Kohlenhydrate werden abhängig von ihrer Struktur langsamer oder schneller ins Blut aufgenommen, wobei letztere zu einem raschen und daher starken Blutzuckeranstieg führen können. Diabetiker sollten die kohlenhydratreichen Lebensmittel bevorzugen, die zu einem langsamen Anstieg des Blutzuckerspiegels führen (s. Tabelle 3).

Tabelle 3: Anstieg des Blutzuckerspiegels

Kohlenhydrate aus ...

Glucose-Aufnahme ins Blut (Glykämischer Index)

.... Milch, ungesüßten Milchprodukten, Gemüsesorten  wie rohe Karotten, Hülsenfrüchten wie Linsen und Bohnen, Obstsorten wie Äpfel, Birnen, Grapefruit, Pflaumen

sehr langsam (<35)

.... Vollkornbrot, Knäckebrot, Vollkornnudeln, hellen Nudeln (Garzeit bis 12 Min.), Gemüse wie gekochte Karotten und Mais, Hülsen­früchten wie Erbsen, Obstsorten wie Apfel­sine, Pfirsich, Banane, Kiwi

langsam (35-50)

.... Reis, Kartoffeln, ungesüßten Fruchtsäften

schnell (50-65)

... Weißbrot, Baguette, zuckerhaltigen Getränken
(Cola, Fanta), purem Zucker, zuckerreichen Süßigkeiten  

sehr schnell (>65-100)

 

Es gibt noch weitere Faktoren, die den Blutzuckeranstieg beeinflussen: Größere Mengen von Ballaststoffen, Eiweißen und Fetten verlangsamen die Verdauung der Kohlenhydrate und vermindern den Blutzuckeranstieg.

Begrenzen Sie die zuckerhaltigen Lebensmittel.
Zucker gehört zu den schnell resorbierbaren Kohlenhydraten, die den Blutzuckerspiegel rasch ansteigen lassen. Deshalb sollten Sie Zucker nur in kleinen Mengen und hauptsächlich zu den Hauptmahlzeiten verzehren. Vermeiden Sie jedoch puren Zucker und zuckerhaltige Getränke.

Die sogenannten Zuckeraustauschstoffe wie Fructose oder Sorbit enthalten Kalorien und haben keinen entscheidenden Vorteil für Diabetiker. Als Süßungsalternative kann Süßstoff in Maßen eingesetzt werden. Er enthält weder Kalorien noch hat er eine blutzuckersteigernde Wirkung.

Bevorzugen Sie ballaststoffreiche Lebensmittel.
Ballaststoffreiche Lebensmittel wie z. B. Vollkornprodukte, Naturreis, Kartoffeln, Gemüse und auch Hülsenfrüchte sättigen gut und lassen den Blutzuckerspiegel nur langsam ansteigen.

5 x täglich Gemüse und Obst einplanen.
Gemüse und Obst liefern wichtige Vitamine (Vitamin A, Vitamin C, Vitamin E) und sekundäre Pflanzenstoffe, die die Blutgefäße schützen.

Sparen Sie Fett ein und verwenden Sie hochwertige Öle.
Gerade wenn Sie abnehmen wollen, ist es wichtig, Fett einzusparen. Achten Sie auf den Fettgehalt der Lebensmittel, insb. bei Käse und Wurst. Beachten Sie bitte die Fett-Anstatt-Tabelle im Anschluss. Verwenden Sie fettarme Zubereitungsmethoden: Garen in beschichteten Pfannen, in der Mikrowelle, im Römertopf oder Bratschlauch, Verwendung von Aluminiumfolie, Grillen.

Bevorzugen Sie pflanzliche Öle mit hohem Anteil an einfach und mehrfach unge­sättigten Fettsäuren, z. B. Olivenöl, Rapsöl, Walnussöl, Keimöl. Diese enthalten wertvolle Fettsäuren, die Sie vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen.

Meiden Sie cholesterinreiche Lebensmittel.
Cholesterin ist ein Fettbegleitstoff tierischer Fette und kommt daher nur in tierischen Lebensmitteln vor. Cholesterinreiche Lebensmittel sind beispielsweise Innereien, Eier, fettreiches Fleisch, fette Wurst, fettreicher Käse (über 45% Fett i.Tr.), Sahne, Butter, Butterschmalz, Speck, Mayonnaise.

Trinken Sie nur kleine Mengen alkoholischer Getränke.
Alkoholische Getränke sollten Sie nur nach Rücksprache mit Ihrem Arzt trinken. Genießen Sie dann lediglich kleine Mengen, da Alkohol sehr viele Kalorien enthält. Diabetikern, die sulfonylharnsäurehaltige Medikamente oder Insulin nehmen, wird geraten, diese Getränke nur zu den Mahlzeiten zu trinken, da der Alkohol den Blutzuckerspiegel senkt. Es besteht die Gefahr der Unterzuckerung!

Sorgen Sie für mehr Bewegung.
Bringen Sie mehr Bewegung in Ihr Leben. Regelmäßige körperliche Bewegung beschleunigt die Gewichtsabnahme und verbessert das körperliche und seelische Wohlbefinden. Empfehlenswert sind Ausdauersportarten, die die Gelenke nicht so stark belasten, wie z. B. Schwimmen, Wandern, Radfahren, Gymnastik und Walking.


Die Fett-Anstatt-Tabelle

 

Fettreiche Lebensmittel

Fettarme Alternativen

Butter, Margarine

Frischkäse, Halbfettbutter, Fettreduzierte Margarine, Senf, Mager- oder Kräuterquark

Doppelrahmfrischkäse, Schnittkäse und Weich­käse über 30% Fett i.Tr., Schmelzkäse über 45% Fett i.Tr.

Sahnequark 40% Fett i.Tr.

Trinkmilch, Joghurt, Dickmilch, Kefir 3,5% Fett,

Crème frâiche 40% Fett, Süße Sahne 30% Fett, Schmand 24% Fett

körniger Frischkäse, Schnittkäse und Weichkäse 30% Fett i.Tr., Schmelzkäse mit 20% Fett i.Tr.,

Magerquark (mit Mineralwasser angerührt) oder Speisequark 20% Fett

Trinkmilch, Joghurt, Dickmilch, Kefir 1,5% Fett

 

Saure Sahne 10% Fett

Leberwurst, Mettwurst, Blutwurst, Salami, Speck, Fleischwurst, Plockwurst, Mortadella, Krakauer, Speck, Gänseleberpastete

gekochter / geräucherter Schinken (ohne Fettrand), Lachs­schinken, Putenbrust, Geflügelwurst, Bratenaufschnitt, magere Leberwurst, Corned Beef, Sülzwurst

Bratwurst, Schweinebauch, -schulter, -mett, Gans, Ente

Rinderhüfte, Kalbfleisch, Wild, Schweineschnitzel, -lende, Pute, Hähnchen, Entenbrust ohne Haut

Panierter Fisch, Fischstäbchen, Fisch in Sahnesoße, Konserven mit Fisch

Gedünsteter oder gebratener fettarmer Fisch (Kabeljau, Seelachs, Scholle), geräucherte Forelle

Bratkartoffel, Pommes frites, Kroketten

Salzkartoffeln, Pellkartoffeln, Folienkartoffeln, Kartoffelbrei (selbstgemacht mit wenig Butter), Backofen-Pommes frites oder Backofen-Kroketten

Mayonnaise

fettreduzierte Mayonnaise (leicht), Salatmayonnaise mit Joghurt oder Quark getreckt

Croissants, Plunder- und Blätterteiggebäck, Windbeutel

Vollkorn- und Mehrkorn-Brötchen, Laugenhörnchen

Rührkuchen, Sahnetorte

Obstkuchen mit Hefe- oder Biskuitteig, Hefezopf

Kekse mit Schokoladenüberzug, Butterkringel, gefüllte Waffeln

Russisch Brot, Vollkornkekse, Zwieback

Kartoffelchips, Nüsse, pikantes Blätterteig­gebäck

Salzstangen, Salzbrezeln, Studentenfutter

 

Adressen

Der Deutsche Diabetiker-Bund bietet Informationen für Betroffene, Veranstaltungen im Bereich Diabetes, regionale Selbsthilfegruppen in Wohnortnähe u. v. m.:

Bundesgeschäftsstelle des Deutscher Diabetiker-Bundes e. V.

Danziger Weg 1
58111 Lüdenscheid
Tel.: 02351-989 153
Fax: 02351-989 150

www.diabetikerbund.de